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Assadour
Spuren und Wege
5. März bis 17. April 2022


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Der Graphiker und Maler Assadour ist bekannt für seine enigmatischen Bildräume, die so manches Sehabenteuer für den Rezipienten provozieren. Assadours seit Mitte der 1960er Jahre entwickelte Bildästhetik verweist zum einen auf einen Bildinnenraum - durch eine tatsächliche oder angedeutete Rahmung. Zum anderen sind außerbildliche Assoziationen unumgänglich, da unsere Augen die bisweilen maschinenhaft wirkenden Menschenbilder, wiedererkennen. Zu den motivischen Anklängen gehören auch: Landschaftsausschnitte, fragmentierte Architektur, Liniengerüste, Kreise, verwinkelte Stadtansichten und vieles mehr. Dieser vielschichtige Dialog zwischen den äußeren Motiven und inneren Räumen bildete die Basis der graphischen Werke Assadours bis zum Ende der 1970er Jahre.

Assadours weitere Entwicklung, vor allem seine Hinwendung zur Malerei ab Mitte der 1980er Jahre, führte zu einer Art Raumverschiebung bzw. Raumverdichtung. Wir sehen, dass der uns anziehende Raum mit diversen Schichtungen versehen ist. Figürliche Elemente sind ineinander geschachtelt, ein Durchdringen scheint unmöglich. Zur Ikonographie Assadours gehören unter anderem pyradimale Formen. Der in Beirut geborene und vielgereiste Künstler ist sich nicht nur seiner Herkunft als Mitglied einer armenischen Familie bewusst, die ihre Wurzeln im Territorium des ehemaligen Westarmeniens hatte, sondern auch der diversen Traditionen der unterschiedlichsten Länder – vom Orient bis hin zur lateinischen Welt.

Assadours spätere und die heute aktuellen Werke vermeiden Horizonte. Die raffinierten Bildschichtungen nehmen bisweilen zu. Der Bildraum wirkt hermetisch und in sich geschlossen. Bisweilen hat man den Eindruck, Bilder aus der Vogelperspektive zu sehen. Der Perspektivwechsel gehört ebenfalls zu den Eigenheiten der Assadourschen Ästhetik. Trotz aller Wechselspiele verlieren die Bilder ihre poetische Sprache nicht. Die Bilder entziehen sich dem Alltäglichen durch ihre Komposition. Gedichten ähnlich, haben sie eine über diese hinausgehende Wirkung.

Heute wirken die in zarten Braun- und Ockertönen angelegten Gemälde wie eine Matrix für Spielfiguren, die dann tatsächlich auftreten. Diese, zum Teil in Puppenform auftretenden Figuren, bewegen sich geheimnisvoll in einem wirren Liniensystem. Das Werk „Personnage polychrome“ von 2019 ist solch ein Chiffren-Bild mit einer maschinenartigen Figur, die sich in Assadours geheimem Reich der Zeichen entfaltet. Was bedeutet in diesem Bild die überdimensionale Acht, was bedeuten die Zahlen Zwei und Drei? Vektorenhafte lineare Formen bewegen sich um eine Art Rätseltisch. Halt, so scheint es, wird nirgends geboten. Das entspricht der traditionellen Ikonographie Assadours.

Es scheint, dass Assadour mit jedem Bild seine persönliche Weltgeschichte entwickelt. Sein Atelier ist voll von Erinnerungen aus den letzten Jahrzehnten, von Notizbüchern bis hin zu gefundenen oder erworbenen Kleinodien aus diversen Zeitläuften, die immer wieder zu Bildfindungen herangezogen werden. Im Gegensatz zu seinen schwebenden Bildräumen finden wir im Atelier eine geordnete Struktur mit großartig geschreinerten Setzkästen, die voller Geschichten sind. Das Atelier in der Rue Lucien Sampaix 32 im Norden von Paris, unweit des Quai de Jemmapes gelegen, ist die Geburtsstätte für die Werke der je aktuellen Stunde.

Unsere Ausstellung „Spuren und Wege“ bietet eine repräsentative Auswahl der aktuellen Werke in Verbindung mit seinen klassischen Arbeiten aus dem letzten Jahrhundert. Nach der Ausstellung 1991 im Museum Bochum ist dies die zweite größere Ausstellung der Werke Assadours in Deutschland. Die Gulbenkian-Stiftung in Lissabon, die ein Konvolut von Werken Assadours besitzt, hat diese Ausstellung großzügig unterstützt.




Assadour
Tracks and paths
5. März bis 17. April 2022


The graphic artist and painter Assadour is known for his enigmatic pictorial spaces that provoke many a visual adventure for the recipient. Assadour's pictorial aesthetic, developed since the mid-1960s, refers on the one hand to a pictorial interior space - through an actual or implied framing. On the other hand, extra-pictorial associations are inevitable, as our eyes recognise the sometimes machine-like human images. The motivic echoes also include: landscape sections, fragmented architecture, line scaffolding, circles, winding city views and much more. This multi-layered dialogue between external motifs and internal spaces formed the basis of Assadour's graphic works until the end of the 1970s.

Assadour's further development, especially his turn to painting from the mid-1980s onwards, led to a kind of spatial shift or spatial compression. We see that the space that attracts us is provided with various layers. Figurative elements are nested within each other, penetration seems impossible. Assadour's iconography includes pyradimal forms. Born in Beirut, the well-travelled artist is not only aware of his origins as a member of an Armenian family with roots in the territory of former Western Armenia, but also of the diverse traditions of different countries - from the Orient to the Latin world.

Assadour's later and today's current works avoid horizons. The refined pictorial layering increases at times. The pictorial space seems hermetic and self-contained. At times, one has the impression of seeing pictures from a bird's eye view. The change of perspective is also one of the peculiarities of Assadour's aesthetic. Despite all the interplay, the pictures do not lose their poetic language. The pictures elude the everyday through their composition. Similar to poems, they have an effect that goes beyond them.

Today, the paintings in delicate brown and ochre tones seem like a matrix for play figures that then actually appear. These figures, some of which appear in puppet form, move mysteriously in a confused system of lines. The 2019 work Personnage polychrome is such a cipher painting with a machine-like figure unfolding in Assadour's secret realm of signs. In this painting, what does the oversized eight mean, what do the numbers two and three signify? Vector-like linear forms move around a kind of puzzle table. Halt, it seems, is offered nowhere. This is in keeping with Assadour's traditional iconography.

It seems that Assadour develops his personal world history with each painting. His studio is full of memories from the past decades, from notebooks to found or acquired gems from various eras, which are repeatedly used to create images. In contrast to his floating pictorial spaces, we find an orderly structure in the studio with magnificently carpentered composing boxes that are full of stories. The studio at 32 rue Lucien Sampaix in the north of Paris, not far from the Quai de Jemmapes, is the birthplace of the works of the current hour.

Our exhibition "Traces and Paths" offers a representative selection of the current works in conjunction with his classical works from the last century. After the 1991 exhibition at the Museum Bochum, this is the second major exhibition of Assadour's works in Germany. The Gulbenkian Foundation in Lisbon, which owns a body of Assadour's works, has generously supported this exhibition.