Emil Schumacher
BILD UND OBJET TROUVÉ
VON DER MAGIE UND SINNLICHKEIT
DES MATERIALS
20. Juni
verlängert bis 14. Februar 2016


Das künstlerische Ringen Emil Schumachers mit dem Material um die Preisgabe seiner sinnlichen Kraft ist allen Bildern, Gouachen und Objekten seines OEuvres eingeschrieben. Mit den Mitteln der Malerei überdehnt und erweitert Schumacher im Schaffensprozess wiederholt die Grenzen zum bildhauerischen Relief.
Die banale Realität gefundener Gegenstände (Objets Trouvés) wandelt der Maler dabei aus der Sinnlichkeit ihres Materials mit nur im Kunstwerk möglicher Magie. Das Emil-Schumacher-Museum stellt diesen nahezu surrealen Aspekt der nichtmalerischen, gefundenen Objekte im Gesamtschaffen Emil Schumachers zum ersten Mal in den Vordergrund einer Ausstellung und präsentiert bisher nicht bekannte Werke. Besonders anschaulich werden in der Werkschau die Ähnlichkeiten, aber vor allem auch die klare Abgrenzung der abstrakten Herangehensweise an das Bild zu den Ideen der Pop Art (etwa im Werk von Robert Rauschenberg oder Jasper Johns) aus allen Werkphasen Emil Schumachers.

Ausgehend von dem wahrscheinlich bedeutendsten Aspekt der Kunst Emil Schumachers, dem Material seiner Malerei selbst – der Farbe, aber auch dem Malgrund – finden nichtmalerische Materialien meist als Collage Aufnahme in die Bilder. Schumacher gelang so bereits in den 1950er-Jahren eine entscheidende und bis dahin unbekannte Erweiterung der Malerei. Dabei ging es
Schumacher vor allem um die „Überwindung des Vierecks“ in der Malerei. Die Ästhetik der reliefähnlichen Tastobjekte wirkte geradezu revolutionär und war für den Maler selbst eine wichtige Bestätigung des bereits mit den Bildern des Informel und ihrem besonders pastosen Farbauftrag eingeschlagenen Weges. Die malerische Auseinandersetzung mit dem Material und der visuellen Wirkung seiner Stofflichkeit zieht sich von dieser Zeit an als wiederkehrendes Motiv durch das gesamte Werk Emil Schumachers.
Schumacher erkannte den ästhetischen Reiz sowie die ausschließlich malerische Qualität von zufälligen Fundstücken und konnte ihre ursprüngliche Herkunft aus der Alltagswelt für seine künstlerische Arbeit vollständig ausblenden. Nicht so sehr die Sicht auf Gewohntes, sondern vielmehr der Einsatz von Gewohntem, das durch Aufnahme in den malerischen Prozess von seiner Ausgangsrealität befreit und in eine neue Wirklichkeit, die des Bildes, übertragen wurde, interessierte den Künstler.

Die neue Ausstellung des Emil-Schumacher-Museums in Hagen stellt diese besondere Herangehensweise Emil Schumachers an so genannte Fundstücke als malerisches Material in den Vordergrund und macht den Prozess der Übertragung der Objekte aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang in die reine Malerei anschaulich.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit rund 100 Abbildungen und einem Vorwort von Ulrich Schumacher sowie einem Beitrag von Rouven Lotz – Leineneinband mit aufwendiger Schmuckprägung, 92 S., Kettler-Verlag, Dortmund, (€ 19.90).

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